Pfarreiengemeinschaft  Saarburg

 

Überlange Fastenzeit

Eigentlich dauert die Fastenzeit nur 40 Tage und fängt erst am 17. Februar mit Aschermittwoch an. Tatsächlich sind wir aber schon ein Jahr in einer Fastenzeit und sie wird noch länger dauern. Wir verzichten auf Reisen, leckeres Essen im Lokal, auf Kontakte, Besuche, Konzerte und Veranstaltungen. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass sich die Schüler nach der Schule sehnen? Es gibt dieses Jahr keine großen Kappensitzungen und Umzüge. Das ist so etwas wie ein Fastnachtsfasten. Das ist ein Widerspruch in sich. Da braucht man schon eine Menge Humor. Ich gebe gerne zu, dass mir so manche Einschränkung allmählich auf den Geist geht. Aber das ist nichts zu dem, was Erkrankte auf den Intensivstationen erleben, oder Menschen deren berufliche Existenz auf dem Spiel steht. Sie haben ganz andere Sorgen. Dennoch spüre ich gerade trotz oder eben wegen der Einschränkungen, wie kostbar und notwendig die Begegnungen mit der Familie oder mit Freunden sind. Es ist wohl so, dass wir oft erst dann etwas schätzen, wenn es fehlt. Tatsache ist auch, dass die Einschränkungen im wahrsten Sinn des Wortes dem Leben dienen. Das sollte ich mir vielleicht wieder mehr ins Bewusstsein rufen für die „normalen“ Fastenzeiten.

Ich denke gelegentlich aber auch daran, was ist, wenn man zu den zwei Prozent gehört, die die Krankheit nicht überstehen? Das wäre dann etwas für den Osterpfarrbrief.

Die überlange Fastenzeit erinnert mich, dass nicht alles planbar und machbar ist. Das bewahrt vor Selbstüberschätzung.  Auf der anderen Seite kann ich am Verlauf der Pandemie in den verschiedenen Ländern studieren, dass es durchaus hilfreich ist, sich an Fakten und der Wahrheit zu orientieren. Natürlich denke ich auch schon an das Fest das wir feiern, wenn die Pandemie endgültig besiegt ist. Ob ich dann wieder alles vergesse, was ich in der langen Fastenzeit gelernt habe?  Immerhin, ich habe mir hier etwas aufgeschrieben, um es wieder holen zu können.

Vielleicht ist das ja auch eine Anregung, sich aufzuschreiben, was einem in dieser Zeit kostbar geworden ist.

Mit frohem Gruß 

Georg Goeres, Pfr.