Pfarreiengemeinschaft  Saarburg

 

Geschichten aus dem Leben 

Wenn man einen Friedhof anlegen will, dann ist es verständlich, dass der Boden untersucht werden muss, damit keine Gräber ins Grundwasser gelegt werden. Das ist gesetzlich geregelt.

Als die Urnengruft in St. Michael in Trier errichtet werden sollte, vor dem Gesetz ist das ein neuer Friedhof, da verlangte die Genehmigungsbehörde eine 5 Meter tiefe Bohrung in den Boden, obwohl nur Urnenwände aufgestellt werden sollten. So stand es eben im Gesetz.

Die veränderte Bestattungskultur hatte im Gesetz keinen Niederschlag gefunden. Offensichtlich gibt es Gesetze, die sind auf die Wirklichkeit nur noch teilweise anwendbar.

Ähnliches erleben wir zurzeit bei den Diskussionen über die Bistumsentwicklung. Wir erleben, dass die Gesetzgebung des Kirchenrechtes manchen Entwicklungen hinterherhinkt. 1983, als die neue Fassung des Kirchenrechtes verabschiedet wurde, kannte man fast nur Pfarreien die identisch mit Gemeinden waren. Unser Wort "Pfarrgemeinde" spiegelt das wider. Inzwischen haben sich aber auch viele Gemeinden entwickelt, die nicht zugleich Pfarrei sind. Oder wir haben jetzt schon Pfarreien, die so groß sind, dass man sie nur schwer als Gemeinde im Sinne von einer Gemeinschaft bezeichnen kann. Der Letztverantwortliche - oder besser Grundverantwortliche - einer Pfarrei ist nach dem Kirchenrecht immer ein Pfarrer. Aus dieser Rolle kommt er nicht heraus. So wie auch der Bischof als Grundverantwortlicher des Bistums aus dieser Rolle nicht rauskommt, sonst ist er kein Bischof.

Das bedeutet aber weder für den Pfarrer noch für den Bischof, dass er alles selber macht oder entscheidet. In den großen Einheiten und Bistümern ist das auch gar nicht möglich.

Gemeinden dagegen können von Getauften geleitet werden, die dazu befähigt sind. Weltkirchlich gesehen gibt es das schon tausendfach. Das bisherige Kirchenrecht bildet diese Entwicklung (noch) nicht ab. Nach meiner Meinung fehlt im Kirchenrecht auch eine positive Beschreibung von Priestern im Bistumsdienst, die nicht Pfarrer sind. Priester, die keine Zeit für die Verwaltung verwenden, sondern sich ganz auf Seelsorge, Mission und Aufbau von Gemeinden konzentrieren.

Es gibt also echten Klärungs- und Entwicklungsbedarf.

Das sollte uns nicht erschrecken. Wenn ich mir die Bilder der kommenden Chagall-Ausstellung ansehe, dann wird überdeutlich, dass es immer schon Entwicklung gegeben hat. Wir leben nicht mehr im Paradies. Entwicklungen sind deshalb manchmal schmerzhaft oder auch von Umwegen geprägt. Eine Geschichte ohne eine Entwicklung aber wäre keine Geschichte. Die Bibel und die Bilder von Chagall erzählen die Geschichte Gottes mit den Menschen. Es lohnt sich, das anzusehen und ins Bewusstsein zu rufen, damit wir auch mit den Entwicklungen unserer Zeit zurechtkommen.

Herzlich willkommen!

Georg Goeres, Pfr.